Wie erfolgt die Therapie der Epilepsie beim Hund?

Die Vorbedingung einer optimalen Anfallstherapie ist die eingehende diagnostische Abklärung des Anfallsgeschehens, denn die Therapie wird von der Ursache der Anfälle bestimmt. Nur bei den Epilepsien, den Anfällen, die primär zerebralen Ursprungs sind, sind Antiepileptika indiziert. Bei der Therapie von Hirnerkrankungen, bei denen epileptische Anfälle neben anderen zentralnervösen Symptomen vorkommen (Hirntumor, Hirnhautentzündung, Hirnentzündung, etc.) werden Antiepileptika in die Therapie miteinbezogen. Bei primär extrazerebral ausgelösten Anfällen sind sie dagegen nicht indiziert. Hier gilt es, die Ursache der Anfälle, beispielsweise die Ursache der Unterzuckerung zu beheben.

Bei den Epilepsien des Hundes ist nur mit einer medikamentösen Langzeittherapie ein therapeutischer Erfolg zu erzielen. Antiepileptika heilen die Epilepsien nicht, sie vermögen aber das Auftreten von epileptischen Anfällen zu verhindern bzw. ihre Häufigkeit, Schwere und Dauer zu mindern. Ziel einer antiepileptischen Therapie muߟ sein, Anfallsfreiheit oder eine weitgehende Anfallsreduktion zu erzielen, ohne die Lebensqualität durch Nebenwirkungen einzuschränken.

Die Langzeittherapie wird von drei Fragen bestimmt:

  • wann therapieren,
  • womit therapieren,
  • wie dosieren zu Therapiebeginn und im weiteren Erkrankungsverlauf.

Der Therapiebeginn wird von der Frequenz und Intensität der Anfälle bestimmt. Vor Therapiebeginn sollten 2-4 Anfälle abgewartet werden, denn auch beim Hund kommen epileptische Anfälle vor, die nur ein- oder zweimal auftreten oder sich nur in sehr groߟen Abständen wiederholen (Gelegenheitsanfälle, Oligoepilepsie) und daher nicht zu therapieren sind. Bei 4-6 leichten Anfällen pro Jahr kann auf eine Therapie verzichtet werden, es sei denn sie wird ausdrücklich gewünscht oder die anfallsfreien Intervalle verkürzen sich. Erfahrungsgemäߟ werden bei sehr niedriger Anfallsfrequenz die Antiepileptika nicht regelmäߟig verabreicht, was mehr schadet als hilft. Eine höhere oder zunehmende Anfallsfrequenz, heftige Anfälle und vor allem Serienanfälle (>2 Anfälle/24 Stunden) erfordern einen raschen Therapiebeginn und eine konsequente Therapie. Je früher die Therapie beginnt, und je rascher eine wirksame Konzentration des Antiepileptikums im Blut (Serum) erreicht wird, um so besser ist der zu erzielende Therapieerfolg.

Von den vielen für den Menschen im Handel befindlichen Antiepileptika eignen sich derzeit nur drei gut zur Dauertherapie beim Hund: Phenobarbital, Primidon und Kaliumbromid. Nur mit diesen Substanzen sind ausreichend hohe Serumkonzentrationen und somit antiepileptisch wirksame Konzentrationen im Gehirn zu erzielen. Die übrigen Antiepileptika werden vom Hund so rasch abgebaut, dass keine ausreichende Wirkung zu erzielen ist, sie verlieren mit der Zeit ihre Wirksamkeit (Toleranzentwicklung) oder sie weisen nicht tolerierbare Nebenwirkungen auf.